10.04.2012, Westfalen-Blatt

Von tiefen Gefühlen

Bachchor führt am Karfreitag Matthäus-Passion auf

Eindrucksvoll hat der Gütersloher Bachchor am Karfreitag erneut sein hohes musikalisches Können unter Beweis gestellt. In der sehr gut gefüllten Martin-Luther-Kirche in der Innenstadt erklang die Matthäus-Passion (BWV 244) von Johann Sebastian Bach. Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann waren nicht nur die Mitglieder des Bachchores im Einsatz, sondern auch die Choralsingschule, der Knabenchor und das Bachorchester Gütersloh sowie die Solisten Sabine Ritterbusch, Sopran, Bettina Pieck, Alt, Lothar Odinius, Tenor, Markus Krause, Bass (Arien) und Maximilian Lika , Bass (Christus).
Die Matthäus-Passion, uraufgeführt am 11. April 1727 an der Leipziger Thomaskirche, ist mit drei Stunden Aufführungsdauer Bachs umfangreichstes Werk. Es gilt als Höhepunkt protestantischer Kirchenmusik. Der erste Teil handelt vom Abendmahl, dem Gebet in Gehtsemane und der Gefangennahme Jesu, der zweite Teil von den Verhören, der Kreuzigung und der Grablegung. Nach Bachs Tod im Jahre 1750 in Leipzig geriet das Werk zeitweise in Vergessenheit. Die Wiederaufführung unter Felix Mendelssohn-Bartholdy 1829 leitete die Bach-Renaissance ein.
Tiefer Ernst, verbunden mit starker Emotionalität, kompositorischem Fantasiereichtum und lyrisch-dramatischer Eloquenz zeichnet das Bachsche Meisterwerk aus, von den Mitwirkenden in der Martin-Luther-Kirche ebenso einfühlsam wie nachhaltig in die Tat umgesetzt. Viele Besucher empfanden die Aufführung als besonders intensiv empfundenes musikalisches Ereignis an einem Karfreitag, vereinzelt war aber auch Kritik am Vorgehen der Veranstalter zu hören, das Werk nicht im Gesamtzusammenhang aufzuführen, sondern eine mehr als einstündige Kaffeepause zwischen die beiden Teile einzuschieben. "Das ist Jesu Leid auf Raten", kommentierte eine unzufriedene Besucherin.
Max Oestersötebier

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