31.05.2011, Neue Westfälische

"Wie ist das mit dem Beten?"

Festgottesdienst zum 150-jährigen Bestehen der Martin-Luther-Kirche

Von einem "Wahrzeichen unserer Stadt über alle Konfessionen hinaus", sprach Bürgermeisterin Maria Unger, von einem "Zeigefinger Gottes mitten in die Stadt hinein" der Presbyteriumsvorsitzende Pfarrer Michael Frentrup. Mit einem Festgottesdienst, den der Bachchor und die Cammermusik Potsdam unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann mitgestalteten, gedachte die evangelische Kirchengemeinde Gütersloh des 150-jährigen Bestehens der Martin-Luther-Kirche.
Der Hannoveraner Altbischof Dr. Horst Hirschler ging in seiner Predigt von Röm. 2, 21-28 aus, wo es heißt: "So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben." Angesichts der Beobachtung, dass etwa Tisch- und Abendgebet weithin "abhanden gekommen" seien, fragte Hirschler, der heute der Bildungsstätte Kloster Loccum vorsteht: "Wie ist das mit dem Glauben, mit dem Beten?"
Der Prediger stellte in den Raum, dessen mittlere Bankreihen gefüllt waren, ob Gott zum "Opa auf der Wolke" geworden sei, "der nur Streicheleinheiten verteilt". Ob "Gott nur noch der für das Gute Zuständige" sei. Als Beispiel eines Menschen, der auch in dunklen Stunden mit seinem Gott rechnet, vielleicht rechtet, skizzierte Hirschler den betend um Beistand flehenden Martin Luther am 17./18. April 1521 auf dem Reichtstag zu Worms, wo er seine beanstandete Lehre widerrufen sollte.
"Steh du mir bei!", zitierte Altbischof Horst Hirschler aus Worten in jener Nacht, die Martin-Luther zugeschrieben werden. "Ich verlasse mich auf keinen Menschen." Ob Gott überhaupt zuhöre, fragte der Mönch. Es gehe schließlich nicht um ihn, Luther: "Es ist doch deine Sache." Hirschler stellte Gott, wenn es mitunter auch ein "Deus absconditus", ein verborgener Gott, sei, gegen die "Ersatzgötter" der Welt. Und erklärte: "Gott ist nur erkennbar durch Christus", rückte Kreuz und Auferstehung zueinander, beschrieb das "Kreuz im österlichen Licht".
Rolf Birkholz

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