16.05.2011, Die Glocke

500 Stimmen bringen Theater zum Klingen


"Hier findet heute nicht der Eurovision Song Contest statt, sondern eine großartige Veranstaltung mit zwölf Chören und 500 Sängern. Freuen Sie sich auf zwei unvergessliche Stunden." Mit launigen Worten hat Werner Gehring als Mitglied des Kuratoriums der Gütersloher Bürgerstiftung am Samstag die Besucher im ausverkauften Theater begrüßt, das nach zwölf Jahren zum zweiten Mal auf der kulturellen Agenda der Dalkestadt stand: das Singfest.
Hatte die erste Ausgabe dieser Großveranstaltung noch in einer Industriehalle auf dem ehemaligen Vossen-Gelände stattgefunden, so wollten die Organisatoren -an ihrer Spitze Jimmy Schmied- in diesem Jahr das neue Theater zum Klingen bringen. Die Stiftung bot den Chören eine Bühne und der Stadt einen Tag voller Musik. Während der Männergesangverein Harmonie Gütersloh zum Auftakt ein gut gewürztes Potpurri aus Fred Raymonds "Maske in Blau" servierte, hatten die Sänger und Sängerinnen von "After Eight" mit dem Filmtitel "Für dich soll's rote Rosen regnen" eine Hommage an die große Hildegard Knef im Gepäck.
Bekannte Melodien aus Frederick Loewes Musical "My Fair Lady" und dem Klassiker "Ol' Man River" kamen von den Turnersängern 1881. Ein Chor mit jugendlicher und dynamischer Ausrichtung, der auf 130 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicke, stellte Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann fest. Er hatte nicht nur die musikalische Koordination, sondern auch die Moderation der Veranstaltung übernommen.
Weiter im Programm ging es mit Ohrwürmern aus dem Musicalbereich. Bühne frei für "Stimmwerk" und die Lieder "Mamma Mia" aus dem gleichnamigen Musical und dem Grizabella-Song "Memory" aus "Cats". Schwungvolles kam auch von der Chorgemeinschaft Buchfinken-Werkmeister unter Heinz Stuckemeier. Sie hatte für das Konzert vier Lieder, darunter den Udo-Jürgens-Hit "Ich war noch niemals in New York", ausgewählt.
Auch die 30-köpfige "Singing Company" setzte mit Songs aus "Kiss me, Kate" und "Westside Story" auf den Charme des Musicals. Den ersten Teil des Programms beschloss "DaChor" unter der Leitung von Blue Sid mit eigenen Kompositionen und Arrangements. In der Pause gab es eine Überraschung: Krzysztof Borysiewicz trug im Foyer -am Klavier: Professor Peter Kreutz- das Lied des Sarastro aus Mozarts "Zauberflöte" vor: "In diesen heil'gen Hallen".
Ulrike Poetter

Von "Zauberflöte" bis "Freischütz"
Der zweite Teil des Singfestes im Gütersloher Theater stand ganz im Zeichen der Oper. Sich anschließend an die Arie des Sarastro trugen drei Solisten des Knabenchores Gütersloh weitere Lieder aus der Zauberflöte, darunter "Zum Ziel führt dich diese Bahn" und gemeinsam mit der Sopranistin Catalina Bertucci "Bald prangt den Morgen zu verkünden", vor. Auch der Gütersloher Männerchor Avenwedde-Friedrichsdorf setzte mit O Isis und Osiris" auf Mozart. Um Jagd ging es in dem nächsten Beitrag. Kraftvoll präsentierten die drei beteiligten Gütersloher Männerchöre unter dem Dirigat von Markus Koch den "Jägerchor" aus Carl Maria von Webers Oper "Der Freischütz".
Eine Besonderheit im Programm waren die Lieder, die der Chor Gudo d-Mor Aphrem" der syrisch-orthodoxen Gemeinde Gütersloh vortrug. "In Aramäisch, der Sprache Jesu", klärte Sigmund Bothmann auf. "Spanisch" wurde es, als der Bachchor Gütersloh "Habanera" aus der Bizet-Oper "Carmen" intonierte. Bettina Pieck gefiel dabei mit ihrer warmen Alt-Stimme.
Viel Applaus bekamen auch die Sänger des Städtischen Musikvereins (Bothmann: "Einer der Leuchttürme unserer Stadt") für den "Geisterchor" aus "Die Luistigen Weiber von Windsor". Ein weiterer Höhepunkt war der populäre "Gefangenenchor" aus Verdis Oper "Nabucco", den der Bachchor, "DaChor", die "Singing Company" und der Musikverein unter der Leitung von Karl-Heinz Bloemeke, zu einem großen Klangkörper vereint, zelebrierten. Zum Abschluss des Chorkonzertes erklang die bekannte schottische Weise "Nehmt Abschied, Brüder" - ein Lied, in das auch die Besucher gern einstimmten.
Während Jimmy Schmied und ihr Team allen Aktiven Rosen überreichte, bedankte sich das Publikum mit stehenden Ovationen. Hofentlich dauert es bis zum nächsten Singfest nicht wieder zwölf Jahre.

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