01.02.2011, Die Glocke

"Mit Bach lebt es sich leichter"

Benefizkonzert in der Apostelkirche

Mit einem Benefizkonzert zugunsten des Fördervereins Historische Kirchen in der Innenstadt hat Vorsitzender Ullrich Felchner einer tief beeindruckten Gemeinde gedankt für die Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstag. Drei Solo-Kantaten von Johann Sebastian Bach vermittelten die tiefe Gläubigkeit des Thomaskantors.
Die Inhalte, die als Gipfelpunkt lutherischer Kirchenmusik gelten, vermittelten renommierte Bach-Kenner. Die mitreißende Altstimme von Bettina Pieck, Dozentin für Gesang und als Solistin in der Philharmonie und im Konzerthaus von Berlin präsent, dringt ein in die Seele. Nach dem Bekenntnis "Gott allein soll mein Herze haben..." mahnt sie in einem der Rezitative mit sprechendem Gesang: "Doch meint es auch dabei mit eurem Nächsten treu."
Und noch einmal ist die Interpretin, zu deren Konzertrepertoire Bachs Werke zählen, zu verinnerlichen. Ihr Solovortrag "Geist und Seele wird verwirret".
Die Kantate "Ich habe genug" passte in den liturgischen Jahresablauf, da Bach sie zum Fest "Mariä Reinigung" (2. Februar 1727) schrieb. In der Apostelkirche bot sie der international erfahrene Bachpreisträger von 2008, der Bariton Jens Hamann, dar. Im Frühjahr wird er in Amsterdam und Rom die Johannespassion aufführen. Beseelt vom Jenseits trug seine feste tiefe Stimme die Arie in den zurückhaltend illuminierten Kirchenraum: "Schlummert ein, ihr matten Augen, fallet sanft und selig zu!"
Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann leitete das Konzert vom Cembalo aus und hatte in dem Kantor der Nikolaikirche zu Potsdam, Björn O.Wiede, an der Orgel einen ebenmäßigen Kollegen. Dazu füllte die Potsdamer Cammermusik, besetzt mit Streichern und Holzbläsern, den Altarraum als verlässlicher Partner für Vokalensembles. Der Geiger Wolfgang Hasleder versteht sein Orchester als Hort der historischen Aufführungspraxis im Land Brandenburg.
"Mit Bachs Musik in Leib und Seele wird es sich leichter 70 Jahre alt", bekannte Ullrich Felchner. Seine Frau Bärbel wünschte sich, der Tag möge fern sein, an dem ihr Mann mit Bach sagt: "Ich habe genug".

---