20.12.2011, Neue Westfälische

Beifall für edle Botschaft

Händels Oratorium "Messias" in der Martin-Luther-Kirche

"Sein Werk wird alle vorhergehenden übertreffen, denn das Thema übertrifft alle anderen Themen", prohezeite 1741 Charles Jennens, und wählte aus dem Alten und Neuen Testament Betrachtungen und Reflexionen über Verkündigung, Geburt, Tod und Auferstehung Jesu aus für ein dreiteiliges Oratorium, zu dem Georg Friedrich Händel binnen drei Wochen die Musik schuf.
Nach der Uraufführung 1742 in Dublin als "Herz und Ohr entzückendes" Werk bezeichnet, erlebte "Messias" tatsächlich einen beständigen Siegeszug. Dem "Halleluja", das den zweiten Teil vollendet, ist sogar das Schicksal eines Gassenhauers widerfahren. "Diese Musik malt Affekte, Seelen, Situationen, ja selbst ganze Epochen", schrieb Romain Rolland. Am vierten Adventssonntag erklang das Oratorium auf Englisch in Gütersloh. Sigmund Bothmann erarbeitete es zusammen mit dem Bachchor, der Cammermusik Potsdam und den Solisten.
Mal schlank und verhalten, mal klangvoll und majestätisch wird der "Messias" gedeutet. Etwas von beidem hatte die auf einem hohen Niveau übermittelte Botschaft von Bothmann: ohne Pathos und doch erhaben, ohne Forcierung der Tempi und doch im lebendig pulsierenden Duktus, ohne Überspitzungen und doch mit fesselnden dynamischen Kontrasten.
In "Seht an das Gotteslamm!" zauberten der Chor und das Orchester zarte Klangschaften herbei. Polyphone Simmgeflechte waren zu jeder Zeit wendig und transparent. Monolithische Natürlichkeit dominierte das "Halleluja". Das Ausrufwort selbst bekam duch dynamische Ausbalancierung eine Raumtiefe. Die Kraft der Musik, die von den feinsten Nuancen der Partitur lebt.
Aufmerksam und fast immer exakt führte die Cammermusik Potsdam auf barocken Instrumenten Dialoge mit dem Chor und dem Solistenquartett, das gut zusammengestellt wurde. Der Gesang der Sopranistin Cornelie Isenbürger war leichtfüßig und graziös, wie etwa in der Arie "Freue dich, Tochter von Zion". Mit langen Bögen, sicher in allen Registern und mit einer vorbildlichen Artikulation, baute die Altistin Bettina Pieck die mit Schmerz durchdrungene Arie "Er ward verachtet" auf. Im Rezitativ "Tröstet Zion" und in der nachfolgenden Tenorarie wusste Georg Poplutz seine klare Stimme im lyrischen und die technische Versiertheit im virtuosen Part gekonnt einzusetzen. Der eindrucksvolle Bass Martin Krause lieferte in der Arie "Das Volk, das im Dunkeln wandelt" ein Beispiel für eine klangliche Verschmelzung mit dem Ensemble, in der Arie "Die Posaune wird ertönen" für seine stimmliche Stärke.
"Messias" - ein abendfüllendes Werk, mit dem Händel seine Zuhörer "zu besseren Menschen" machen wollte. Es kann durchaus sein, dass ihm das durch die edle Intensität dieser Aufführung an diesem adventlichen Sonntag 2011 in Gütersloh gelungen ist.
Eugenie Kusch

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