21.12.2010, Neue Westfälische / Die Glocke

Fröhliche Geburtstagsmusik - Meisterwerk in makelloser Aufführung

Bachchor Gütersloh beeindruckte mit schwungvoll gesungenem "Weihnachtsoratorium"

"Jauchzet, frohlocket" - diese Worte aus dem Weihnachtsoratorium sind dem Bachchor Gütersloh mehr als eine kirchenjahreszeitlich angesagte Pflicht. Mit spürbarer Begeisterung wirbelte die 44-köpfige Sängerschar am Sonntag durch den Eingangschor und gab damit die Richtung vor, die dieser Abend in der fast ausverkauften Gütersloher Martin-Luther-Kirche nehmen sollte: Christi Geburt als fröhliches Geburtsfest zu feiern.
Die Partitur gab diesen von Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann vorgegebenen Drive her. Das akzentuierte Paukenspiel, die schmetternden Trompeten, die -leider etwas ungünstig positionierten und deshalb zu leise- jubilierenden Oboen und Flöten waren die vom Bachchorchester historisch informierte und zündend formulierte orchestrale Begleitmusik. Sie nahm den Impetus des in allen Gruppen ausgewogen klingenden Chors begeisternd auf. Spätestens nach diesem mit filigraner Wucht gesungenen und musizierten Entrée erübrigte sich die Frage, warum Bothmann drei Jahre nach der Gesamtaufführung des Werkes erneut die ersten drei Kantaten programmiert hatte. Es gibt eben musikalische Meilensteine, an denen sich ein Interpret immer wieder bewähren kann und sein neues Verständnis der Musik demonstrieren muss.
Der Kirchenmusikdirektor hat mit seinem Bachchor eine höchst verständnisinnnige Beziehung erreicht, von denen die Kernstücke des Repertoires profitieren. Das wird vor allem an den oft gleichförmig musizierten Chorälen deutlich, die unter seiner vitalen Leitung ihren jeweils angemessen interpretierten Ausdruck erhielten. Allein wie Bothmann den ersten Choral "Wie soll ich dich empfangen" anging - ganz zart, fast scheu -, bewies seine differenzierte Sicht auf das Werk. Dass der Chor auch in polyphonen Passagen auf nuancenreichen Ausdruck und saubere Diktion Wert legt, wurde im Chor "Ehre sei Gott" aufs Eindrücklichste offenbar.
Auch die Solistenriege machte Freude: Andreas Jören überzeugte mit kerniger, aber sehr flexibel geführter Bassstimme, die Christine Bohnenkamps schönen, doch auch etwas schüchternen Sopran im Duett "Herr, dein Mitleid" ein bisschen zudeckte. Olivia Vermeulen beeindruckte mit einem schlank-expressiven Alt und geradezu unendlichem Atem in ihrer Arie "Schlafe, mein Liebster". Hinreißend schließlich Lothar Odinius, der mit seiner deklamatorischen Prägnanz den Evangelistenpart prägte und seine tenorale Leuchtkraft und Beweglichkeit in seiner Arie "Frohe Hirten, eilet hin" unter Beweis stellte. Ene nahezu makellose Aufführung, der zu Recht stehend applaudiert wurde.
Matthias Gans

---