19.02.2008, Neue Westfälische

Loblied auf Lamm und Orgel

Europäisches Chorfestival: Exzellentes Konzert des Gütersloher Bachchors

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Gütersloh. Moderne Chorliteratur, begeisternd serviert vom Bachchor unter Leitung von Sigmund Bothmann, erlebten rund dreihundert Musikliebhaber am Sonntagabend in der Martin-Luther-Kirche im Rahmen des Europäischen Chorfestivals 2008. A cappella und gemeinsam mit dem Organisten Christian Weiherer zelebrierte der bestens präparierte Chor Werke von Benjamin Britten, Zoltán Kodály und Frank Martin.

Souverän eröffneten die knapp 40 Sängerinnen und Sänger das Konzert mit Brittens „Rejoice in the Lamb“ (Loblied auf das Lamm) von der Orgelempore aus. In perfekter Abstimmung mit dem Organisten Christian Weiherer gestalteten sie das fordernde Werk in kristallklarer Intonation und exzellenter dynamischer Tarierung differenziert aus. In der durchweg überzeugenden Solistenriege (Alt: Bettina Pieck, Tenor: Hendrik van Hören, Christopher Jung, Bass) fiel besonders Kieran Carrel ins Ohr: der junge Sänger des Knabenchors Gütersloh schulterte die sprungreiche Sopranpartie mit kindlichem Charme, wobei er beachtliches Potenzial offenbarte.

Bei Zoltán Kodálys „Laudes organi“ (Loblied auf die Orgel) für Chor und Orgel konnte Weiherer sein Instrument in zahlreichen Klangfarben und vom zart präsenten Pianissimo bis zum machtvoll dröhnenden Fortissimo bestens ins Bild setzten, auch hier in fruchtbarer Kooperation mit dem überaus hörenswerten Bachchor. Für Frank Martins „Messe für Doppelchor a cappella“ verließen schließlich die Sängerinnen und Sänger die Empore um vorn im Altarraum Aufstellung zu nehmen.

Nun konnte man die Chorleistung besonders gut genießen: Die angenehm timbrierten, klaren Stimmen formten im Doppelchor acht vollwertige Stimmregister von weich gerundeter Homogenität, die sich unter Bothmanns hinweisreichem Dirigat souverän zu einem brillanten, stets wohltarierten Gesamtklang zusammensetzten.

Auch die fordernden, modernetypisch dissonanten Harmonien zelebrierten die Vokalisten in lupenreiner Tonsauberkeit und überzeugender Präsenz, die das Werk in maximaler Schönheit erstrahlen ließen. Das beeindruckte Publikum dankte mit anhaltendem Applaus für neunzig Minuten Hochgenuss.

Matthias Gans

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2008-02-19 NW [PDF, 263 KB]