03.01.2008, Westfalen-Blatt

Hochgenuss zum Jahreswechsel

Silvesterkonzert des Bachorchesters

Gütersloh. Hochwertiger Hörgenuss war dem Auditorium in der voll besetzten Martin-Luther-Kirche beim montagabendlichen Silvesterkonzert gewiss. Unter der Gesamtleitung von Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann, der am Cembalo spielte, musizierte das Bachorchester Gütersloh vier der sechs Brandenburgischen Konzerte von Johann Sebastian Bach (1685 - 1750).

Zu diesem das Jahr 2007 abrundenden Konzertereignis war es Professor Bothmann gelungen, Spitzenmusiker der Barockmusiker- Szene zu verpflichten. Die erste Violine spielte die Konzertmeisterin des Rundfunkorchesters Saarbrücken, Margarete Adorf . Auch der Solohornist von musica antiqua Köln, Wilhelm Bruns, die Professorin für Blockflöte an der Musikhochschule Köln, Dorothée Oberlinger, und der Solo-Oboist beim Concentus musicus Wien sowie bei der Cappella Coloniensis, Peter Westermann, glänzten in ihren Solo-, Duo- und Trioparts. Gekonnt ließen sie sich diese ebenso im anfänglichen ersten - wie abschließenden zweiten Brandenburgischen Konzert in ihrem gekonnten Ensemblespiel mit Quartett-, Quintett- und Tutti Formationen abwechseln.

Auch der mit zahlreichen renommierten Orchestern konzertierende und in der Hochschule für Musik und Theater München lehrende Flötist Michael Schmidt-Casdorff war engagiert. Mit seiner historischen Holz-Traversflöte erzeugte er in den einfühlsam interpretierten Melodiebögen des Affetuosos aus dem 5. Brandenburgischen Konzert D-Dur BWV 1050 seinen aufgrund der erklingenden Reinheit und zur Empfindung hervorbringenden Wärme überaus hochwertigen Flötenton. In den beiden Allegri glänzte er mit technisch versierten Läufen, sauber angestoßenen Stakkati sowie galant eingeflochtenen Verzierungen. Im sensiblen Zusammenspiel trat hier auch Bothmanns Können am Cembalo hervor. Eindrücklich wurde er auch dem länger andauernden Solopart des zweiten Allegrosatzes gerecht.

Zur musikalisch hochwertigen Klangqualität trug auch bei, dass die Musiker auf historischen Instrumenten konzertierten. Sowohl die altertümlichen Hörner und historischen Oboen als auch Streichinstrumente wie Violone, Violen da gamba und Violen konnten die Violinen und das Violoncello wunderbar ergänzen. In der kleinen Streicherbesetzung zum 6. Brandenburgischen Konzert B-Dur BWV 1051 kamen die von Frauke Hess und Claire Bracher gespielten Violen da gamba sowie die von Jan HoIlestelle gestrichene Violone im Ensemble mit dem Violoncello von Ulrike Mix und Margarete Adorfs sowie Beate Corßens Violinen besonders schön zur Geltung. Im abschließenden, 2. Brandenburgischen Konzert F-Dur BWV 1047 erfreuten die Bläser. Lobenswerte Höhepunkte gestalteten allerdings der Hornist, Wilhelm Bruns, der Oboist. Peter Westermann und die Blockflötistin, Dorothée Oberlinger, in ihren sich mit dem Gesamtensemble abwechselnden Solo-, Duo-, Trio-, Quartett- und Quintettparts, da auch die Solovioline und das Cembalo entscheidend mitwirkten. Das finale Allegro assai wurde nach brausendem Applaus nochmals als Zugabe zum Besten gegeben.

Johannes Zoller

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