02.01.2008, Die Glocke

Ein Hauch von Geschichte über dem Bach-Konzert


Gütersloh. Wer zu den Klängen von Cembalo, Viola da Gamba, Violone, Flöten und Horn am Silvesterabend in der Martin- Luther-Kirche die Lider schloss, dem wanderten unwillkürlich historische Szenen vor das geistige Auge. So mögen die Brandenburgischen Konzerte geklungen haben, als Johann Sebastian Bach sie 1721 dem mutmaßlichen Auftraggeber Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg- Schwedt erstmals vorspielen ließ.

Mit bestechender Authentizität entfalteten die Barockmusiker, die Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann zum Jahresausklang nach Gütersloh geladen hatte, auf historischen Instrumenten die Klangwelt des Genies.

Bei aller Deutungsschwere der vier aus sechs ausgewählten Konzerte kam das Orchester mit extravaganter Leichtigkeit über. Als „besonderes musikalisches Schmankerl“ angekündigt, verstand es Bothmann, Streicher und Bläser gleichermaßen spielerisch zu führen. Selbst ein penetrant klingelndes Mobiltelefon zwischen dem Allegro und dem Affetuoso des als drittes Werk gespielten 5. Konzerts, sonst ein völliges Unding, konnte die fröhliche Jahresendstimmung nicht trüben.

In großer Besetzung gab das außergewöhnliche Ensemble den Einstieg mit dem 1. Konzert der Sechserreihe. Forsch im Allegro, sich vornehm zurücknehmend im Adagio und noch einmal das Temperament des barocken Tons im dritten Satz kitzelnd gelang das Eintauchen in Bachs Musikwelt.

Die einst als „Six Concerts avec plusieurs instruments“ entstandenen Werke, die erst später „Brandenburgische Konzerte“ getauft wurden, führte das Orchester mit dem sechsten Werk fort. Geprägt durch die tiefen Streicher gaben Cello, Bass, Bratschen und die Viola da Gamba den dunklen Unterton vor. Jedes Konzert richtete Bach individuell in Instrumentation und Komposition aus, die so einen Bogen über die barocken Ausdrucksformen spannen. Im fünften Konzert trat Bothmann mit dem Cembalo als Soloinstrument in den Vordergrund, wobei die umfangreiche Solokadenz dank des Zuspiels von Konzertmeisterin Margarete Adorf als Soloviolinistin und Michael Schmidt-Casdorff an der Traversflöte ihren wohltönenden Widerpart fand. Das Konzert Nr. 2 in F-Dur für Tromba, Violine, Blockflöte, Oboe, Streicher und Continuo ließ gleich vier Soloinstrumente mit Horn, Blockflöte, Oboe und Cembalo in gleicher Lage wetteifern. Mit lang anhaltendem Applaus entließen die von Bach begeisterten Zuhörer die Musiker in die Silvesternacht.

Burkhard Hoeltzenbein

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