27.12.2007, Westfalen-Blatt

Perfekte Einstimmung auf Weihnachten

Bachchor singt in der Martin-Luther-Kirche

Gütersloh. „Jauchzet, frohlocket!“ Mit diesem Ausruf größter Freude beginnt Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium, ein Werk von einer derartigen musikalischen Genialität, dass es einen all die musikalischen Fehltritte, mit denen man in der Weihnachtszeit mitunter berieselt wird, vergessen lässt.

Wenn dieses viel aufgeführte, aus sechs Kantaten bestehende Chorwerk dann auch noch so erfrischend und leichtfüßig aufgeführt wird, wie dies dem Bachchor und dem Bachorchester unter der bewährten Leitung von Sigmund Bothmann am Sonntag in der Martin-Luther-Kirche gelang, ist die Weihnachtsstimmung perfekt.

Und weil sich diese Musiker nicht mit halben Sachen zufrieden geben, spielte das Bachorchester auf historischen Instrumenten, die insgesamt einen halben Ton tiefer gestimmt waren. Die etwas verminderte Brillanz im Gesamtein druck wurde durch den wunderbar weich-sonoren Klang der mit Darmsaiten bespannten Streichinstrumente und den Naturtrompeten um ein Vielfaches wettgemacht. Sigmund Bothmann dirigierte die Kantaten 1, 3, 5 und 6 ebenfalls barocktypisch vom Cembalo aus, auf dem er in Begleitung von Violoncello und Kontrabass den Generalbass intonierte – rhythmisch auf den Punkt genau, trotzdem leichtfüßig und voller Esprit. Eine fundierte musikalische Basis, auf welcher der Bachchor die Weihnachtsgeschichte dynamisch und mit glasklarer Artikulation stimmgewaltig umsetzte.

Uhrersprudelnde Freude auf der einen, in sich gekehrte Demut auf der anderen Seite – diesen Kontrast setzten der Bachchor und das Orchester wirkungsvoll um, die hervorragenden Solisten trugen ihren Teil dazu bei: der kraftvolle Alt von Bettina Pieck, die als Maria die Ankunft ihres Sohnes erwartet, und Andreas Jören mit seinem urgewaltigen Bass – so und nicht anders muss den Hirten auf dem Felde Gottes Stimme erschienen sein. Der Tenor übernimmt die Rolle des Erzählers, dementsprechend rezitierte ein strahlender Knut Schoch die frohe Botschaft von der Kanzel ins Kirchenschiff. Sigmund Bothmann ließ den Solisten genug Interpretationsfreiheit, damit diese ihren Gesangsparts eine unverwechselbare Note verleihen konnten. Sopranistin Christina Beckmann bezauberte mit weichem, kraftvollem Timbre, ohne zu forcieren. Besonders die Duette und Terzette wurden so zum musikalischen Hochgenuss, wenn Sopran und Tenor in der fünften Kantate erwartungsvoll fragen „Ach wann wird die Zeit
erscheinen?“ und der Alt volltönend antwortet. Eine bessere Einstimmung auf die Weihnachtszeit kann es nicht geben, schon gar nicht, wenn sie so leidenschaftlich, spritzig und zugleich sensibel und in sich ruhend dargeboten wird – Bachchor und Bachorchester zeigten einmal mehr, dass sie musikalisch absolute Spitze sind.

Stephan Woike

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