27.12.2007, Die Glocke

Glänzende Musiker zeigen alle Facetten ihres Könnens


Gütersloh. Wenn die Pauken ertönen, die Trompeten erschallen und der Chor anhebt: ,,Jauchzet, frohlocket! Auf, preiset die Tage!", bedeutet das für viele Menschen die Verkündigung des weihnachtlichen Erlösungsgeschehens schlechthin, und das auf allen Kontinenten des Erdballs. Mit einer Aufführung der Kantaten 1, 3, 5 und 6 des ,,Weihnachtsoratoriums“ von Johann Sebastian Bach, die sich von der ersten bis zur letzten Note ganz und gar dem Geist Bachscher Musik verpflichtet sah, demonstrierten Bachchor und Bachorchester Gütersloh unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann, warum das bis auf den heutigen Tag so ist.

In der voll besetzten Martin-Luther-Kirche bewegten und beeindruckten sie ihre Zuhörerschaft gleichermaßen, so nachhaltig, dass es kaum vorstellbar scheint, dass diese Musik schon bald nach Bachs Tod in Vergessenheit geriet und erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder in ihrer Gesamtheit aufgeführt wurde. Einen nicht unbedeutenden Teil der Musik hat Bach älteren, zum Teil profanen Werken entnommen, so auch den Eingangschor des ersten Teils, der mit seinen fanfarenartigen Bläsermotiven an weltlichen GIanz denken lässt. Der gesamte innere Aufbau erinnert immer wieder daran, dass Bach keine konzertanten Kompositionen geschaffen hat, sondern Kantaten für die Verwendung im Gottesdienst.

Es verdient ausdrückliche Würdigung, dass Bothmann diesen Umstand bei seiner ganz persönlichen Ausgestaltung der Musik nie aus den Augen verloren hat. Wenn er dabei präzise und konzentriert, motiviert und motivierend zu Werke geht, bedeutet das für ihn keinen Widerspruch. Einen glänzend musizierenden Chor ließ er alle Facetten seines Potenzials auffächern, das von kräftig zupackend bis ergreifend demütig reichte. Hier sei stellvertretend der Choral „Ich steh an deiner Krippen hier“ erwähnt. Fernab jeglicher Süßigkeit interpretierte der Chor mit seinem Gesang das Gebet voller kindlicher Hingabe.

In das Bild dieser gläubigen Verkündigung fügten sich auch die Solisten in homogener Weise ein. Christina Beckmann (Sopran), Bettina Pieck (Alt), Knut Schoch (Tenor) sowie Andreas Jören (Bass) steigerten sich in ihre Partien mit gestalterischer Kraft und ausgefeiltem Gesang, ohne sich jedoch je in den Mittelpunkt zu rücken.

Wenn der Chor die letzte Kantate ausklingen lässt mit den Worten „Christus hat zerbrochen, was euch zuwider war, Tod, Teufel, Sünd und Hölle sind ganz und gar geschwächt, bei Gott hat seine Stelle das menschliche Geschlecht“, so wird verdeutlicht, dass die Geburt Christi nur von ihrem Ende her ihren vollen Sinn erfährt: in der Erlösung durch Tod und Auferstehung. Diese Botschaft bleibt immer aktuell – sie blieb es auch am Abend des vierten Advent.

Bernd Heumüller

---