30.01.2006, Westfalenblatt

Hommage an den Unsterblichen


Gütersloh (gl). Mit dem »Requiem« haben Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann und der Bachchor Gütersloh am Freitag termingenau des 250. Geburtstags des Jubilars Wolfgang Amadeus Mozart gedacht. Voll besetzt war an diesem Abend die Martin-Luther-Kirche, wo die Zuhörer eine vitale, emotional geformte und damit unter die Haut gehende Aufführung dieses Meisterwerks erlebten.

Wohl kaum ein anderer Komponist setzte sich so intensiv mit dem eigenen Tod auseinander wie Mozart. Nicht nur sein Brief an den Vater von 1787 spricht dafür. Deutlich zu spüren ist das auch in dem unvollendet hinterlassenen Auftragswerk, dem Requiem, das sein Schüler Süßmayr vollendete.

Es hat sich in der Aufführungspraxis durchgesetzt, dieser ergreifenden Totenmesse ergänzende Musikstücke voranzustellen. Bothmann hatte dazu den von Arvo Part archaisch vertonten 137. Psalm »An den Wassern zu Babylon« in einer Fassung für Chor und Orgel ausgewählt, die der Bachchor in einer klanglich dichten, meditativen Interpretation von der Empore herab erklingen ließ. Ein zweiter Introitus war die »Maurerische Trauermusik« mit interessanter Bläserbesetzung, 1785 komponiert für die Trauerfeier zweier Logenmitglieder, mit der das engagiert musizierende Bachorchester eine gute Visitenkarte abgab. So bot es auch im Requiem weit mehr als nur ein verlässliches instrumentales Fundament, war einfühlsam mitgestaltender korrespondierender Partner.

Chorsätze, die höchste Ansprüche stellen, dominieren in dem Werk. Unter dem inspirierenden Dirigat von Sigmund Bothmann lieferten die Sänger chorische Glanzleistungen wie in dem als Weiträumige Füge angelegten Kyrie, die zusätzlich melismatische Geläufigkeit fordert, dem rhythmisch akzentuierten Confutatis, »Quam olim Abrahae« oder dem abschließenden »Cum sanctis tuis«.

Dramatische Ausdruckskraft bestimmte das »Rex tremendae«, in dem der König schrecklicher Gewalten die armen Sünder erschauern lässt, während das Lacrymosa von ergreifender Traurigkeit erfüllt war. Hinzu kamen ein ausgewogener Gesamtklang des Chors samt Tonreinheit. Selbst bei zügigen Tempi war außer präzisen Einsätzen noch eine prägnante Artikulation hörbar.

Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ ein hervorragendes und homogenes Solistenquartett mit zwei Nachwuchs- und zwei arrivierten Sängern. Christina Beckmann gefiel mit ihrem klaren, sicher geführten Sopran, den sie ebenso zum innigen Ausdrucksinstrument machte wie die exzellente Altistin Mechthild Georg ihre warme große Stimme. Dazu passten wunderbar der tragfähige, angenehm timbrierte Tenor von Mark Adler und der weiche Bass von Andreas Wolf. Ihr Recordare und Benedictus-Quartett werden noch lange nachklingen, so wie die gesamte Aufführung, für die es lang anhaltenden Beifall gab.

Jutta Albers

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