08.06.2006, Neue Westfälische

Ausdrucksvoll: Chor- und Orgelmusik für Genießer

Bachchor Gütersloh und Organist Andreas Müller überzeugen mit Konzert zum Stadtkirchentag in der Abteikirche

Marienfeld. Hochkarätige Musik und spannende musikalische Eindrücke in der Abteikirche zu Marienfeld: Im Rahmen des Stadtkirchentages verwöhnten der Bachchor aus Gütersloh und Organist Andreas Müller die Zuhörer mit überzeugenden Leistungen.

Das Konzert begann mit der Toccata, Adagio und Fuge C-Dur (BWV 564) von Johann Sebastian Bach. In die erwartungsvolle Stille ließ Andreas Müller die ersten Töne tropfen, die den Auftakt für einen typischen Bach bildeten. Mal pastellig und leise, dann schwungvoll und kräftig führte der Organist die große Orgel der Abteikirche in Ihrer ganzen Pracht vor.
Ausdrucksvoll schloss sich der Bachchor mit Felix Mendelssohn-Bartholdys »Jauchzet dem Herrn alle Welt« an. Sigmund Bothmann führte den Chor mit recht hohem Tempo durch das Stück. Der überzeugte durch klare Aussprache, ausdruckvolle Dynamik und verlor auch in den leisen Passagen das gewählte Tempo nicht.

Mit Alexander Wagner, einem zeitgenössischen Komponisten, folgte eine Choralmotette mit mutigeren Harmonien, die in der letzten Strophe eine andere musikalische Wendung nahm.

Voluminös und kräftig erklang auf der Orgel »Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist« (BWV 667) von J. S. Bach. Der Schluss des Stückes kam plötzlich und hinterließ den Eindruck eines plötzlichen Abbruches. Die folgende Spannung bereitete aber den Weg für das Hauptwerk des Konzertes, Frank Martins Messe für zwei vierstimmige Chöre.

Spannende Eindrücke präsentierten sich den Zuhörern in dieser Messe. Sein Leben lang beeindruckt von Bach, von Faure und den Impressionisten, machte sich Martin um 1932 auch mit der Zwölftontechnik Schönbergs vertraut. Er entwickelte mit der Zeit einen eigenen Stil, in dem er die neuen Elemente einsetzte und trotzdem die Tonalität bewahrte. Und so war das Stück auch für musikalische Laien eine Entdeckung wert.

Das Kyrie begannen die Frauenstimmen mit flehentlichen, mutigen Harmonien, um sich dann im Verlaufe des Stückes immer weiter aufzubäumen. Auch die hohen Töne, eine Herausforderung für den Sopran, wurden sauber gegriffen.
Das Gloria begann mit einem sich aufbauenden Akkord, bei dem man sich ein wenig an das Strauß-Zitat in dem Film »2001: Odyssee im Weltraum« erinnert fühlte. Im Verlaufe wechselten sich dann gewohnte Harmonien mit mutigen und spannenden Tonverläufen ab.

Fast versöhnlich wirkte dann Franz Tunders Orgelstück »Komm, Heiliger Geist, Herre Gott«. Gelassen bildete es einen Ruhepol zwischen den Teilen der Messe.

Auch in den folgen Teilen der Messe war neues zu entdecken. Im »Credo« spielte Martin mit dem Sprachrhythmus oder setzte sehr verständlich gesungenen Text über eine Tonfläche. Abwechselnde Passagen von gewohnten Harmonien mit mutigen Klängen forderten die Zuhörer heraus, ohne die Tonalität zu verlassen. Im »Sanctus« erinnerte der Beginn etwa an einen ruhigen Glockenschlag, dem sich aufbauende Passagen folgten. Mystischer und ruhiger kam dann das »Agnus Dei« daher.

Es wäre noch vieles zu beschreiben, und so bleibt dem Chronisten bei diesem Stück nur die Aufforderung: Kommen, hören, genießen. Genau das hatten die Zuhörer getan und bedankten sich mit anhaltend kräftigem Applaus bei allen Mitwirkenden.

Fazit: Ein Konzert, das in Qualität, Zusammenstellung und Ausrichtung gerne wiederholt werden darf.

Jörg Ryback

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