24.12.2003, Neue Westfälische

Zu Ehren Marias

Genuss und musikalische Meditation mit dem Bachchor

Gütersloh. Kaum ein Platz blieb frei am Sonntag in der Martin-Luther-Kirche zum Konzert von Bachchor und Choralsingschule. Der Andrang war riesig. Man war gespannt auf ein Programm, das ausschließlich der Gottesmutter Maria gewidmet war.

Zum Auftakt spielte Johannes Matthias Michel Orgelwerke aus der Renaissance und aus dem Frühbarock, eine geruhsame Einstimmung auf ein vielfarbiges Panorama von Marienkompositionen aus sämtlichen Epochen abendländischer Musikgeschichte.

Mit einem Gregorianischen »Ave Maria« eröffnete der Bachchor unter der Leitung von Sigmund Bothmann den spannenden Reigen von Lobgesängen. Gleich anschließend machte das Programm einen Zeitsprung von rund tausend Jahren mit Maurice Durufle's »Tota pulchra es«. Die Sängerinnen und Sänger des Chors intonierten mit großer Sensibilität und Präzision und zogen die Zuhörer mit einem kristallklaren Klangbild in Bann.

Für innige Volkstümlichkeit sorgten drei alpenländische Lieder, die die jugendlichen Mitglieder der Choralsingschule hell und blitzsauber umsetzten. Die klaren Stimmen und der Charme der urtümlich frommen Texte verfehlten ihre Wirkung nicht und verzauberten die Zuhörer.

Dichte, lebendige Klangfarben bestachen in den »Marienliedern«, op. 20 von Johannes Brahms, barocke Besinnlichkeit erklang in Werken von Pachelbel oder Johann Eccard. Der Bachchor bewies hohe Flexibilität und eine fein differenzierte Ausdruckspalette.

Als klanglicher Kontrast und doch zugleich bestens in das akustische Bild eingefügt zeigten sich vier Sätze aus Sigfrid Karg-Elerts »Kathedral-Fenster« op. 106. Flötenartige Register bestimmten die Musik und spiegelten eine Transparenz von großer Eindrücklichkeit wider. Ruhig, fast meditativ waren die Tempi, luftig und zart die Harmonien, in die Lieder wie »Herbei, 0 ihr Gläubigen« und »Joseph, lieber Joseph mein« kunstvoll eingewebt waren.

Bekannte Melodien in ungewohntem Harmoniegewand standen dann mit Hugo Distlers und Carl Orffs Umsetzungen von »Es ist ein Ros' entsprungen« und »Maria durch ein Dornwald ging« auf dem Programm, gefolgt von einem »Ave Maria« von Mozart in Form eines Kanons.

Das Thema war mehr oder minder immer das gleiche, und doch war jeder neue Programmpunkt eine Überraschung, ein Zeugnis individueller künstlerischer Auseinandersetzung mit Maria und dem Wunder der Weihnacht. Auf diese Weise war das Konzert nicht allein musikalischer Genuss und musikalische Meditation, sondern ebenso ein Überblick über Marienkompositionen sämtlicher Epochen und Stilrichtungen.

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