03.04.2002, Neue Westfälische

Exzellent besetzt

Sigmund-Bothmann-Vokalensemble singt »Osteroratorium"

Gütersloh. Der Johannes-Passion am Karfreitag folgte am Sonntag derAuferstehungsjubel des »Osteroratoriums«: eine logisch zwingende Programmsetzung, mit der Kantor Sigmund Bothmann in der Martin-Luther-Kirche die kleine, aber musikalisch außerordentlich gelungene Reihe ,,Bach in der Karwoche" sinnvoll abschloss.

Die Berechtigung der Bezeichnung »Oratorium« für die gut dreiviertelstündige Kantate ,,Kommt, eilet und laufet, ihr flüchtige Füße" BWV 249 mag für die Musikwissenschaft von Interesse sein. Johann Sebastian Bach allerdings wusste schon, warum er das Werk als Oratorium deklarierte, wird durch das Wort doch eine Gleichsetzung mit einem anderen großen Musikstück assoziiert, dem ,,Weihnachtsoratorium«, das seiner Form nach ebenfalls der Kantate folgt.

Die Emmaus-Erfahrung der Jünger, und damit die Gewissheit um die Auferstehung wird im "Osteroratorium" vorweg genommen, wie Pfarrer Dr. Martin Schewe in seiner Predigt feststellte. Nur vor diesem Hintergrund ist auch der extrovertiert-fröhliche Charakter der Kantate zu verstehen. Pauken und Trompeten setzt Bach in den Rahmen-Sätzen, der rein instrumentalen ,,Sinfonia" und dem feierlichen Schlusschor ein. Wie am Karfreitag schon waren auch am Ostersonntag die Instrumentalpartien mit den Mitgliedern des Gütersloher Bachorchesters exzellent besetzt.

Ein leichtes Qualitätsgefälle offenbarte allerdings das Solistenquartett. Während Katharina Thimm ihren in allen Lagen gleichmäßig ausgebildeten Alt wunderbar verströmen ließ, und auch Helen Riedel mit leuchtkräftigem, allerdings auch ein wenig unsicher geführtem Sopran für sich einnahm, klang Jörg Heinemanns Tenor schlicht überanstrengt. Michael Hoffmann konnte seinen wohltönenden Bass bedauerlicherweise nur in Rezitativen erklingen lassen.

Homogen und überaus agil verwies das Sigmund-Bothmann-Vokalensemble, das zu großen Teilen mit dem Bachchor identisch ist, auf die höchst effektive Arbeit seines Leiters. Mit einem Bach-Präludium zum Ausklang des Gottesdienstes verwies Bothmann auf das Orgelkonzert am kommenden Samstag. Dann wird um 17 Uhr das dritte Konzert im Rahmen der Bachschen Orgelgesamtschau erklingen.

Matthias Gans

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