02.07.2002, Neue Westfälische

Wehmütiges und Heiteres im Wechsel

Bachchor und Jugendkantorei gaben Sommerkonzert in der Anne-Frank- Gesamtschule

Gütersloh. Zu einem Sommerkonzert luden der Bachchor Gütersloh und die Jugendkantorei am Samstag in die Anne-Frank-Gesamtschule. Leiter Sigmund Bothmann hatte ein unkonventionelles Programm zusammengestellt mit Werken von berühmten und weniger bekannten Komponisten, mit Liedern, bei denen oftmals melancholische Zwischentöne und doppelbödige Texte bestimmend waren.

Hugo Distlers Mörike-Chorliederbuch op. 19 füllte den ersten Teil des Konzerts. In expressive, markante Klänge hat Distler die zart-poetischen Verse des romantischen Dichters gesetzt und damit Lieder von ganz eigener, komplexer Ausdrucks kraft geschaffen.

Bachchor und Jugendkantorei sangen im Wechsel Wehmütiges und Heiteres, Dramatisches und Idyllisches. Unter dem lebhaften Dirigat von Sigmund Bothmann gelang es den jugendlichen wie den schon erfahrenen Sängerinnen und Sängern, die Feinheiten und die Vielfarbigkeit der Stilmittel Distlers herauszuarbeiten. Eine exakte Dynamik ließ Spannungsbögen hörbar werden, Takt- und Tempowechsel kamen spielerisch leicht, ebenso die ungewöhnlichen Akzentverschiebungen, die immer wieder für besondere Effekte sorgten. Flirrende Reibungen und spröde Intervalle standen neben verhaltenen, lyrischen Kantilenen, polyphone Abschnitte neben machtvollem Unisono.

Diese Palette der Kontraste in allen Schattierungen macht die Musik Distlers so lebendig und die Texte Mörikes plastisch, stellt aber auch hohe Anforderungen an die Vokalisten. Der Bachchor und die Jugendkantorei meisterten die Ecken und Kanten dieser Musik und überzeugten mit sensiblem und diszipliniertem Klangbild.

Vier Lieder von Igor Strawinsky entführten in die Welt russischer Volksmusik, wenn auch in stilisierter Form. Urtümlich und virtuos, archaisch und modernistisch zugleich klangen jene Miniaturen, die den Melos traditioneller russischer Gesänge spiegelten.

Auf den ersten Blick fremd mutete nach den impressionistischen Akkorden von Claude Debussy in diesem modern geprägten Programm der Renaissancekomponist Don Carlo Gesualdo di Venosa an, und doch passte er genauestens in die Abfolge hinein. Eine Brücke zu dem neapolitanischen Fürsten schlug Igor Strawinsky, der sich kompositorisch mit Gesualdo di Venosa auseinander gesetzt hat. Eine andere baute Gesualdo selbst: Mit seinem chromatisch hochalterierten Stil war er seiner Zeit weit voraus und klingt selbst für heutige Ohren viel eher modern als antiquiert.

Mit David Wikander und Wilhelm Stenhammar kamen zwei selten gehörte, skandinavische Komponisten zu Wort.

Romantisch klang das Sommerkonzert aus mit drei Liedern von Johannes Brahms. Viel Beifall und Begeisterung, und drei Zugaben folgten.

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