27.11.2002, Neue Westfälische

Bewegendes Gedenken

Bachchor sang Heinrich Schütz' »Musikalische Exequien«

Gütersloh. Mit einem Gedenk-Konzert für Sigbert Mohn würdigte der Bachchor unter der Leitung von Sigmund Bothmann den in diesem Jahr verstorbenen engagierten Förderer von Kunst und Kultur in Gütersloh und großherzigen Mäzen des Bachchors. Zugleich wurde damit der Wunsch Sigbert Mohns erfüllt, dass an dem auf seinen Todestag folgenden Ewigkeitssonntag die »Musikalischen Exequien« von Heinrich Schütz aufgeführt werden sollten.

Pfarrerin Grit de Boer sprach bewegende Worte des Gedenkens, die verdeutlichten, dass dieser Wunsch nicht etwa persönlicher Eitelkeit entsprang, sondern einem tiefen Glauben, der das ganze Leben und Tun Sigbert Mohns bestimmte.

Musikalische Exequien sind Kompositionen zur Bestattungszeremonie. Ihre Tradition reicht zurück bis in vorreformatorische Zeit. Die »Musikalischen Exequien« op. 7 von Heinrich Schütz entstanden 1635 für den Fürsten Heinrich Posthumus von Reuß, der Schütz in langjähriger Freundschaft verbunden war. Weit vor seinem Tod hatte der Fürst eine Reihe von Bibeltexten zusammengestellt, die Schütz in den Exequien vertonen sollte.

Keine leichte Aufgabe für den Komponisten, denn die Musik musste sich der Liturgie anpassen. Dazu übernahm Schütz aus der Messe den Aufbau von Kyrie und Gloria, ersetzte allerdings die liturgischen Verse überwiegend durch die vom Fürsten vorgegebenen Bibeltexte. So entstand im ersten Teil des Werks eine Kombination von frei zusammengestellten Zitaten der Heiligen Schrift und Kyrie-Rufen, eine Struktur, die in der durch große Genauigkeit glänzenden Gütersloher Aufführung in der Martin-Luther-Kirche deutlich hörbar wurde.

Traditionelle Zahlensymbolik und bildhafte Melodienführung waren klar nachvollziehbar, zum Beispiel erklang das dreifache Kyrie insgesamt drei Mal, eine musikalische Ausdrucksweise der Dreifaltigkeit. Sechs Sängerinnen und Sänger übernahmen mit konzentrierter, klangschöner Intonation die Solopassagen: Christina Schültke, Melanie Hirsch, Bettina Pieck, Ulrich Löns, Volker Priwitzer und David Stingl überzeugten als Solisten wie auch im Ensemble mit Ausdruckskraft und musikalischer Homogenität. Dem Chor gelang eine fein differenzierte Dynamik von großer Bandbreite. Hervorragend war die Sprachverständlichkeit.

Mit eindeutigem Gespür für die fast vierhundert Jahre alte Musik spielten Antje Plieg-Oemig, Violone, und Gerhard AbeGraf, Orgel, den Continuo-Part. Unter dem kundigen Dirigat von Sigmund Bothmann erklang so eine feinfühlige Interpretation der Musik Schütz', die das überaus zahlreiche Publikum zu bewegen wusste und die nicht Trauer in den Mittelpunkt stellte, sondern unerschütterlichen Glauben und Zuversicht.

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