28.12.2001, Neue Westfälische

Kunstreiche Klanggewebe

Bachchor bot Weihnachtliche Chor- und Orgelmusik in der Martin-Luther-Kirche

Gütersloh. Zu weihnachtlicher Chor- und Orgelmusik lud der Bachchor unter der Leitung von Sigmund Bothmann am Sonntag in die Martin-Luther-Kirche. Kompositionen aus Renaissance, Romantik und Moderne prägten das vielseitige Programm, das mit einem weit gespannten Klangfarbenreichtum auf das Weihnachtsfest einstimmte.

Prachtvolle Choräle, volkstümlich orientierte Melodien und kunstreiche Klanggewebe stellten die Geschichte der Geburt Jesu in den verschiedenartigsten Nuancierungen dar. Der Bachchor setzte all diese vielgestaltigen Facetten der Musik so intensiv und lebendig um, dass das Publikum vom ersten bis zum letzten Ton gefesselt war. Die Sängerinnen und Sänger nahmen das klare, kraftvolle Dirigat von Sigmund Bothmann umgehend auf und schafften auf diese Weise ein Klangbild von energiegeladener Dynamik. Das ganz eigene Charakteristikum jeder Komposition wurde spürbar, ob glanzvoller Choral, zum Beispiel das berühmte "Psallite" von Michael Praetorius, oder die durchsichtig-hellen Akkorde von Felix Mendelssohn-Bartholdys "Veni Domine" op. 39 Nr.1, und ebenso die gefällig stimmungsvollen Klänge von Carl Loewes Chorsatz "Quem pastores laudavere".

Immer wieder überraschte der Chor mit besonderen Raumklangeffekten: Bei Werken für Chor und Solostimmen platzierten sich die Solisten im Kirchenraum dem Chor gegenüber oder auf der Empore. Mit Können und Disziplin überzeugte auch die Jugendkantorei, die vor wenigen Wochen den Chorwettbewerb auf Landesebene gewonnen hat. Die jungen Vokalisten sangen sicher und konzentriert, Lea Martensmeier und Nele Jungekrüger intonierten hellstimmig klangschöne Soli. Als versierter Solist an der Orgel präsentierte sich Johannes Havla mit einer Partita von Flor Peeters, die mit überwiegend zarttönenden Registern bezauberte, und mit Louis Viernes "Carillon de Westminster", in dem der berühmte Glockenklang jener Londoner Kirche durchgehend in den verschiedensten Stimmen erscheint und dabei fantasiereich umspielt wird, mal durch bewegte Oberstimmen, mal mit markanten Basstönen. Mit ausdrucksstarkem Alt sang Bettina Pieck einen überaus lebendigen Solopart in Peter Cornelius ,,Drei Kön'ge wandern aus Morgenland~. Der Kontrast zwischen blockartigem Chorgesang und gar fließender Solostimme gaben dieser Komposition den besonderen Reiz.

Der Chorsatz "Heilige Nacht" von Johann Friedrich Reihhardt beschloss dieses abwechlungsreiche Programm, und das verhalten-geheimnisvolle "Maria durch ein Dornwald ging" war eine stimmige Zugabe.

Constanze Natosevic

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