16.02.2000

Bach in Singapur

Gütersloher Bachchor weilte als Kulturbotschafter in Asien

Gütersloh (tom). Der Bachchor als Kulturbotschafter im fernen Asien: 13 Flugstunden entfernt von Gütersloh eröffnete der renommierte Klangkörper am vergangenen Wochenende in der zweimal ausverkauften Victoria Concert Hall in Singapur mit Bachs h-moll-Messe eine Konzertreihe anlässlich des 250. Todestages Johann Sebastian Bachs. Einen Tag nach Rückkehr des Chores erstatteten gestern die Sänger Christiane Backer-Mülier, Welf Sundermann und Volker Schlaf freudig Bericht: ,,Ein einmaliges Erlebnis."

Die Schlagzeile "It's Bach to the future" und ein Foto von Chorleiter und Dirigent Sigmund Bothmann (36) kündigten am Donnerstag vergangener Woche in der Singapurer Tageszeitung "The Straits Times" das Gastspiel des ,,Bach Choir of Gutersloh from Germany" an. Obwohl man das Bach-Gedenkjahr durchaus mit einer repräsentativen Konzertreihe würdigt, gelten Name und Werk des Komponisten - anders als beispielsweise Händel - in dem Drei-Millionen-Einwohner zählenden, zu 80 Prozent von Chinesen bewohnten Stadtstaat nicht unbedingt als Allgemeingut. Um dem Publikum den musikgeschichtlichen Rang Bachs und seiner h-moll-Messe zu verdeutlichen, zog die Reporterin Beethovens Neunte und Mozarts "Don Giovanni" als Maßstab heran und zitierte überdies Sigmund Bothmann, den "Mann mit dem großen Lächeln und Lachen": "Ein sehr heiliges Werk, das Credo der Christenheit."

Montag voriger Woche war die 60-köpfige Gütersloher Delegation, darunter 50 Sänger, vier Solisten und ein Continuo-Spieler, auf Einladung der Deutschen Botschaft und mit finanzieller Unterstützung der Westdeutschen Landesbank, des Deutschen Musikrats, der Lufthansa und der Bertelsmann AG nach Singapur gejettet. Den Kontakt hatte der in Kuala Lumpur lebende Geschäftsmann Thomas Kniepkamp hergestellt, vor 25 Jahren selbst Mitglied des Gütersloher Bachchors.

Nach der Landung am Dienstag morgen: Busfahrt ins Hotel bei 30 Grad Hitze und extremer Luftfeuchtigkeit, "ein fantastischer erster Eindruck von der üppigen Vegetation" (Backer-Müller) sowie nachmittags eine vierstündige Stadtrundfahrt. Mittwoch, Donnerstag und Freitag waren jeweils vormittags dreieinhalbstündige Proben mit dem ,,bestens vorbereiteten" 40-köpfigen Singapore Symphony Orchestra angesetzt. Freitag und Samstag dann abends um 20.15 Uhr Konzert in der ausverkauften Victoria Concert Hall (800 Plätze). Das "erstaunlich junge Publikum" bedachte Chor und Orchester am Ende mit Riesenbeifall und Bravo-Rufen. In der Pause des Freitag-Konzerts lud der deutsche Botschafter Volker Schlegel zum Empfang. Lebendig in Erinnerung ist den Chormitgliedern auch der kulturelle Kontrast zum Treiben auf der Straße geblieben, wo während des Konzerts eine farbenprächtige Parade aus Anlass des Neujahrsfestes vorüberzog.

Der Asien-Trip war die bisher weiteste Konzertreise in der Geschichte des Bachchors, und seine Mitglieder werden, betont Frau Backer-Müller, "noch lange davon zehren". Dass es eines Tages eine Fortsetzung geben wird, ist nicht ausgeschlossen. Thomas Kniepkamp, der Bachchor-Anchorman in Kuala Lumpur, will versuchen, weitere Gastspiele zu organisieren.

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