30.08.1999

Zauberhaftes aus dem Garten der Aphrodite

Stimmungsvolles Konzert des Gütersloher Bachchores in der Anne-Frank-Schule

Gütersloh (WB). Hübsch sommerlich verpackt war das Geschenk, das der Gütersloher Bachchor seinen vielen Freunden am Sonnabend im Forum der Anne~Frank-Schule überreichte. Unter dem Motto »Im Garten der Aphrodite« brachte er einen bunten Reigen von a~cappella~Werken aus fünf Jahrhunderten von bekannten oder fast vergessenen Meistern, zusammengestellt von Kantor Sigmund Bothmann, der nach den Ferien bereits wertvolle Arbeit geleistet hat. Er ließ auch die Jugendkantorei »zu Ton« kommen und ergänzte das vielfältige Angebot durch die großartige Solo-Harfenistin Isabel Moreton, eine ausgezeichnete Künstlerin, die durch Virtuosität und Spielfreude bestach.

Den Zuhörern bot sich eine breite Palette von Chansons, Madrigalen und Liedern, die die Schönheit und die vielfältigen Formen des mehrstimmigen Chorgesangs, immer im Wortlaut des jeweiligen Landes, offenbarte. Zwei Sätze von Monteverdi aus dem Madrigal-Zyklus »Sestina«, einem Grabgesang für eine junge Römerin, leiteten schön moduliert das Konzert ein. Schon hier bot das Forum mit seiner achteckigen Rotunde geradezu ideale akustische Bedingungen. Carlo Gesualdo di Venosa, ein Avantgardist der Chromatik, schrieb die Liebesweise »Dolcissima min vita«. Mit Ildebrando Pizzettis »II Giardino di Afrodite«, die dem Konzert das Motto gab, hörten wir einen Meister des beginnenden 20. Jahrhunderts mit stark ausgprägter Rhythmik.

Den zweiten Teil eröffnete die Jugendkantorei, in der die Mädchen eindeutig dominieren. Der Chor sorgte in drei Madrigalen mit frischen, gutgeschulten Stimmen für besondere Akzente. Beginnend mit Hans Leo Hasslers »Tanzen und Springen«, sowie dem britischen »Now is the month of Maying« von Morley und schließlich Gastoldis »Amor vittorioso« erklangen bekannte Weisen, die Bothmann einfühlsam begleitete.

Mit drei Chansons von Claude Debussy nach Texten des Ritters Charles d'Orleans leitete der Bachchor über zu Gesängen der neueren Klassik. Schöne Solostimmen boten hier Bettina Pieck, Hildegard Singer, Malte Müller und Volker Arendts. Gespannt waren die Zuhörer besonders auf ein Werk des Güterslohers Hans Werner Henze, die Vertonung des Gedichts »Wie war die Hölle?« aus »Orpheus hinter dem Stacheldraht« des Briten Edward Bond, das der Bachchor auch beim internationalen Wettbewerb im September in Belgien singen wird. Henze, der selbst die deutsche Übersetzung besorgte, schuf hier eine Verbindung schwieriger Elemente voller Dramatik, zum Teil mit Sprechgesang, die der Chor mit viel Einsatz und hochmotiviert bewältigte.

Den Reigen beschlossen die zwei Lieder »Nachtwache 1« und »Nachtwache 2« von Johannes Brahms nach Texten von Friedrich Rückert. Herb und etwas schwermütig zeichnete der Komponist seine unverwechselbare Handschrift. Dem Riesenbeifall ließ Sigmund Bothmann eine Zugabe folgen, die den Bachchor - zwar in gewohnt dunkler Kleidung, aber mit sommerlichen Farben abgestimmt - noch einmal in bester Stimmung sahen.

Bliebe noch ein Wort zu der Harfenistin Isabel Moreton, eine große Überraschung und eine Künstlerin von hohen Graden, die mit fünf Werken die Zuhörer verzauberte. Getragene Töne wechselten mit beschwingten Klängen und lyrischen Melodien sehr farbenprächtig. Sie bereicherte den wunderschönen Abend in hohem Maße!

KARL HEINZ SPREYER

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