22.12.1998, Westfalenblatt

Botschafter der Musik

Bachchor und Kantor Sigmund Bothmann erhalten den Kulturpreis der Stadt

Gütersloh (WB). »Der Bachchor und sein Leiter, Kantor Sigmund Bothmann haben dazu beigetragen, die Stadt Gütersloh als Botschafter der Musik weit über ihre Grenzen hinaus bekannt zu machen«, sagte Bürgermeisterin Maria Unger bei ihrer Laudatio am Sonntag zur feierlichen Überreichung des Kulturpreises 1998 der Stadt in der Martin-Luther-Kirche vor einem großen Auditorium. Mit der Entscheidung des Preisgerichts seien die beispielhafte Entwicklung und die hohe Gesangskultur des Chores sowie die Förderung des musikalischen Nachwuchses gewürdigt worden. Chor und Dirigent sollten auch 1999 das hohe Ansehen fortführen und erhalten. Der Ehrung war ein harmonisches weihnachtliches Konzert vorausgegangen.

Die Freude der Mitglieder der Chores über die Auszeichnung drückte Welf Sundermann aus: Das größte Verdienst komme Kantor Sigmund Bothmann zu, der in den sechs Jahren seines Wirkens in Gütersloh den Antrieb für die stetige Motivation bei neuen Aufgaben gegeben habe. Sundermann dankte in diesem Zusammenhang auch der Stadt Gütersloh und den privaten Sponsoren für ihre Förderung. In launigen Versen berichtete er dann über Arbeit und Zielsetzung unter Sigmund Bothmann, der sowohl »Dompteur« wie auch väterlicher Freund der Sänger sei. Den hohen Leistungsstand hatten Leiter und Chor mit einem Instrumentalkreis im vorausgegangenen Konzert unterstrichen, in dessen Mittelpunkt die »WeihnachtsHistorie« von Heinrich Schütz (SWV 435) stand, die der Chor zuletzt vor mehr als zehn Jahren aufgeführt hatte. Das Werk von 1664 in zehn Bildern und acht Intermedien war mit neuen Stilmitteln der damaligen Zeit das erste deutsche Oratorium überhaupt. Dem Chor kommt hier allerdings keine dominierende Rolle zu; das Schwergewicht liegt bei den Solisten, kleineren Gesangsgruppen und einer vielseitigen Instrumentierung, die den dramatischen Szenen angepaßt ist. Einst wirkte die epische Handlung wie ein Krippenspiel, weil alle Rollen in Kostümen gespielt wurden.

Der Inhalt ist identisch mit dem Evangelium des Lukas und wurde mit Bläsern von der Empore und dem vielstimmigen Chor »Die Geburt unseres Herrn Jesu Christi« eröffnet. In bunter Folge schlossen sich die Intermedien mit Szenen der Verkündigung der Hirten, dem Traum Josephs, der ihm Flucht und Rückkehr verheißt, dem Erscheinen der Könige (Weisen) und der List des Königs Herodes an, stets angekündigt von den Rezitativen des Evangelisten, der in Joachim Thalmann (Bariton) eine ideale Besetzung fand. Er bewältigte seinen umfassenden Part mit Eleganz und variabler, klarer Stimme. Solistische Chormitglieder bestritten die übrigen Partien wie der Engel mit großem Pensum (die junge Sängerin zeigte gute Ansätze, aber noch zu wenig Glanz), sowie die Terzette und das Quartett der Engel, Hirten, Könige und Hohen Priestern, die ihre Sache sehr gut machten. In einer idealen Rolle als Herodes überzeugte der Bassist Andreas Jören, in Gütersloh schon öfter zu hören. Ergreifend die Chöre in »Ehre sei Gott in der Höhe« und beim Ausklang mit »Dank sagen wir alle Gott« und »Preis sei Gott in der Höhe«.

Das beglückende Konzert in akkurat vier Sprachen war eingeleitet worden von weniger bekannten Kompositionen, die Bothmann stets gern neu belebt. Den Beginn machte das »Magnificat« des Italieners Giacomo Carissimi, das die volle Konzentration des Dirigenten erforderte: Drei Chöre (zwei auf der Empore) sowie Streicher und Bläser mußten in Einklang gebracht werden. Schon akustisch ein Problem, aber es wurde glänzend gelöst. Leider ging beim anschließenden »Christus ist heute geboren« von Giovanni Gabrieli die schöne Altus-Arie von Jan Kollmar im Ansturm der Bläser völlig unter. Ein reiches Äquivalent dafür war Benjamin Brittens »Hymn to the Virgin«, ein zeitgenössischer Satz, den zwei vierstimmige Chöre mit großem Einsatz meisterten. Das kurze »Ave Maria« von Igor Strawinsky für vierstimmigen Chor leitete über zu Giuseppe Verdis »Pater noster«, einem Chor mit hymnischen Steigerungen und bittend, demütigem Ausklang. Den beziehungsreichen Schlußpunkt nach Konzert und Ehrung setzten der mit großem Beifall bedachte Bachchor und Bothmann mit dem festlichen »Es ist ein Ros entsprungen« - zum Abschluß eines erfolgreichen Jahres und am Start in neue große Aufgaben 1999!

Karl Heinz Spreyer

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