30.09.1998, Neue Westfälische

Frohe Orgel-Botschaft

»Osterhymnus« Von CarI-Theodor Hütterott uraufgeführt

Gütersloh. Den Titel »Osterhymnus« hatte man sich im Programmheft verkniffen, zögerte sich doch der Abschluß der Orgelrenovierung über den angepeilten Uraufführungstermin hinaus. Doch weder die Steinmeier-Orgel, noch die Fantasie, die der Gütersloher Komponist Garl-Theodor Hütterott auf Bitten des Kantors und Uraufführungsorganisten Sigmund Bothmann komponierte, hat unter der Verschiebung der Orgelweihe gelitten.

Diese fand im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes am Sonntag morgen statt, konzelebriert von Pfarrer Hans-Joachim Schulze-Geißler (Liturgie) und Pfarrer Wilfried Heitland (Predigt). Vor Orgelweihe und Uraufführung hatte Sigmund Bothmann die »Laudes Organi« gesetzt, ein selten zu hörendes, aber wunder-schönes Spätwerk von Zoltan Kodaly, der das Stück für ein Musikfest 1966 in Atlanta schrieb. Es ist eine Vertonung einer Handschrift aus dem 12. Jahrhundert, eine Hymne auf die Orgel, die trotz ihres Alters eine Botschaft von ungebrochener Aktualität transportiert: »Musikus, diene! Zeig dich geschickt, übe eifrig! Werde vertraut mit der Kunst! Erweise dich als körperlich tauglich! Zeig dich geistig wendig!« Prinzipien, die an Güterslohs Martin-Luther-Kirche nicht neu aufgestellt werden müssen, wie die geschliffene Interpretation durch den bestens präparierten Gütersloher Bachchor unter der Leitung von Sigmund Bothmann und Christoph Grohmann an der Steinmeyer-Orgel begeisternd bewies.

Auf die Inhalte der »Laudes Organi« verwies Pfarrer Heitland in seiner Predigt hinsichtlich der Frage nach der Funktion der Musik im Gottesdienst. Sie solle dem Lobpreis Gottes dienen, »der Menge zum Gefallen, die sich wundert und sich freut, singt und ihr Lob mit Eifer vor Gott bringt.« Daß das auf durchaus heitere Art geschehen kann, bewies die etwa zehnminütige Orgel-Fantasie von Carl-Theodor Hütterott. Zunächst schildert Hütterott in dunklen Klängen das bange Zagen und Zähneklappern der bedrängten Seele. Doch die düstere Todesdrohung weicht allmählich der guten Botschaft von der Auferstehung des Herrn. So bringt Carl-Theodor Hütterott den österlichen Gedanken höchst anschaulich (und natürlich nicht ohne Zitat der geliebten Jazzmusik) bis zum vollen Klang des organum plenum auf den musikalischen Punkt.

Da paßten Jehan Alains ekstatische »Litanies« zum Abschluß des Gottesdienstes wie das sprichwörtliche Tüpfelchen auf dem i. Beide Werke wurden von Sigmund Bothmann in gewohnt zupackend-virtuoser Manier gemeistert, die (Wieder-)Auferstehung des Orgelklangs an der Martin-Luther-Kirche mit lebhaftem Beifall und Bravorufen bekundet.

Matthias Gans

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