01.05.1997, Neue Westfälische

Der Geist der Freundschaft war spürbar

Kristinen Kyrkokör aus der Partnerstadt Falun erstmals in Gütersloh zu Gast

Gütersloh. Die 2ojährige Partnerschaft mit Châteauroux ist für viele Gütersloher längst Herzenssache, die junge Partnerschaft mit der schwedischen Stadt Falun ist auf dem besten Wege, eine Herzenssache zu werden. Zum ersten Mal war Mitte des Monats der Faluner Kristinen Kyrkokör in Gütersloh und gestaltete zusammen mit dem Bachchor Gütersloh ein Konzert mit nordeuropäischer Chormusik. Die Bachchormitglieder und nicht zuletzt ihr Chorleiter Sigmund Bothmann nahmen sich viel Zeit und boten den Gästen ein vielseitiges Programm.

So erlebten die schwedischen Gäste gleich am ersten Abend nach ihrer Ankunft und nach gemeinsamer Chorprobe mit dem Bachchor im ehemaligen Konfirmandensaal in der Hohenzollernstraße ein Hauskonzert mit Liedern von Johannes Brahms, dargeboten von jungen Gesangssolistinnen der Musikhochschule Detmold. Am nächsten Tag wurden sie von der Bürgermeisterin im Rathaus empfangen und folgten anschließend einer Einladung des Bertelsmann-Konzerns, wo sie mit Interesse die Produktion von CDs verfolgen konnten.

Sowohl im Rathaus als auch in der Konferenzzone der Hauptverwaltung von Bertelsmann bedankte sich der Chor mit fröhlichen Liedern aus Darlana - wahrscheinlich wurde an beiden Orten erstmals in ihrer Geschichte überhaupt gesungen. Es war, als ob die Fröhlichkeit aus dem Land der Wälder und Seen die teutonische Ernsthaftigkeit vertrieb.

Am letzten Tag besuchten die Gäste Münster, die Stadt des westfälischen Friedens, der vor 350 Jahren Schweden und Deutsche versöhnte. Wurden damals die Schwedenheere unter Gustav Adolph als Befreier bejubelt, kamen die schwedischen Gäste heute als kommunalpolitische Partner, als Freunde im Geiste der Musik, erfaßt vom Geist der Oekumene, der Katholiken und Protestanten zusammen wachsen läßt.

Höhepunkt des letzten Besuchstages war dann das Konzert mit nordeuropäischer Chormusik, das mit dem Chorsatz Edvard Griegs »Ave maris stella«, einem alten Marienhymnus, als letzte Zugabe endete.

Der Geist der Freundschaft beflügelte auch das Abschiedsfest im Spexarder Bauernhaus. Bei guter westfälischer Kost und erfrischenden und belebenden Getränken sprudelten die gegenseitigen Darbietungen und das gemeinsame Singen nur so: Schwedische Volkslieder, deutsche Scharaden, sprachlose Pantomimen, Sketche, Reden und immer wieder Musik! Am frühen Sonntagmorgen verließen die Gäste Gütersloh, besuchten noch die wunderschöne Wiedenbrücker Altstadt, und beglückt, reich beschenkt und dankbar für die erlebnisreichen Tage fuhren sie zurück nach Falun, Darlanas Hauptstadt, in die Stadt der roten Holzpferdchen, der buntbemalten Schlüsselbrettchen und Leinenfahnen: »Darlanas anda!«

Eine große Überraschung und Freude waren dann vor wenigen Tagen zwei Einladungen nach Falun: Eine Gesangsolistin, die im Hauskonzert in der Hohenzollernstaße mitwirkte, wurde eingeladen, die Alt-Arien in Bachs Weihnachtsoratorium im kommenden Dezember zu übernehmen. Die zweite Einladung ging an den Bachchor Gütersloh, im nächsten Jahr wieder Falun zu besuchen und Konzerte zu geben. Diese Einladungen wurden inzwischen mit großer Freude angenommen.

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